Lyrical 174

Zweiundvierzig Jahr’ durch dürre Täler zogst du, dein Herz, in Einsamkeit; kein Laut, nur Wind und Glockenleuten, die über toten Hügel schrein. Ganz einsam hast dich selbst verschenket, der Stille treu bis an den Rand der eignen Sinnen, wo Gedanken verwehn wie Staub...

Lyrical 173

In blassen Abendwiesen stand ich, und wartete — die Luft so sacht. Ich ahnte nicht, wie tief, wie heimlich mein Herz nach deinem Atem wacht. Wie meine Sinne, still und trunken, nach dir in tiefer Stille riefen, hab ich von deinem Saft getrunken, die Zeit vergessen,...

Lyrical 173

Mein Herz geht auf, wann ich an dich denk, gleich Licht, das bricht durch Nacht, so still, so blank. Ich kenne dich nicht, und doch begehr ich dich, wie Schatten sich neigen dem verborgenen Licht. Kein Wenn, kein Aber mag uns entzweien, kein Wind, kein Schatten, kein...

Lyrical 172

Wir kannten uns nimmer, kein Wort, kein Blick, und suchten einander nicht, kein Geschick. Doch fanden wir still, in des Schweigens Bann, unsre Seelen vereint, wie es einst begann. Ich spür die Kälte, in der du bestehst, und du die Glut, die in mir aufgeht. Nicht...

Lyrical 171

Du hast mich nicht gesucht – und ich dich nicht, doch führte das Dunkel uns ins gleiche Licht. Ein Flammenrest aus vergessener Zeit ließ uns begegnen in Ewigkeit. Wir standen nah, von Stille umhüllt, wo jede Sehnsucht den Raum erfüllt. Und sahen uns in alten Welten...

Lyrical 170

Dreißig Winter in eiserner Kälte vollbracht, verharrtest du stumm in der endlosen Nacht. Ich aber irrte durch mondlose Räume, verlor mich im Glanz vergänglicher Träume. Der Liebste lag nah – doch das Herz blieb leer, sein Atem war warm, mein Dasein nicht mehr....